Ein Morgen. Auf dem freien Feld, an einem Ackerweg, steht ein einfacher, rechtschaffen aussehender Mann, der Tor; er trägt grobe Kleidung, einen Korb am Arm, in dem Brote und ein Stück Fleisch liegen. Er blickt ruhig und offen in die Ferne, die Hände hinter dem Rücken gefaltet. Die Sonne steigt, Vögel ziehen durch die Luft; der Tor bleibt stehen und lächelt, als hörte er eine ferne Freundlichkeit in der Welt. "Ich bin frei", sagt er laut, "die Sonne ist mein. Ich arbeite und es ist gut. Die Saat geht auf, und ich habe zu essen. Was soll mir das Leben anders geben?"
Während er spricht, tritt der Tod heran, eine hohe, schlanke Gestalt in schwarzem Gewand, das Gesicht von der Kapuze halb verhüllt. Der Tor sieht ihn nicht sofort, denn er ist in seine Gedanken versunken; dann aber wendet er sich um und begegnet dem Blick des Todes mit einem seltsamen, unerschrockenen Lächeln. "Wer bist du?" fragt der Tor ohne Furcht. Der Tod antwortet nicht mit Worten, sondern seine Gegenwart stellt Frage und Urteil zugleich. "Bist du gekommen, mich zu holen?", fragt der Tor weiter. Der Tod nickt langsam.
Der Tor geht ein paar Schritte auf den Tod zu, als hätte er ihn erwartet wie einen alten Bekannten. "Setz dich", sagt er, indem er auf einen Baumstumpf deutet; "es ist gut. Du hast deine Aufgabe, ich habe meine; wir sollen uns wohl aneinander gewöhnen." Der Tod zögert nicht, setzt sich aber ebenso schweigend. "Sag mir: ist es traurig, zu sterben?" Der Tor fragt mit der Unbefangenheit eines Menschen, der nie über sein Leben geherrscht hat. Eine leichte Herbheit liegt in seiner Stimme, jedoch keine Klage.
Der Tod betrachtet den Tor lange mit einem Ausdruck, der von dem Gewicht seiner Ewigkeit kündet. Dann spricht er, seine Stimme ist tief und ruhig: "Du weißt nichts von der Zeit, in der ich lebe. Für mich ist alles ein Hauch; ich nähe die Enden zusammen, die sich nicht berühren. Dein Leben ist eine Blume, die ich nehme; doch die Blume weiß nichts von dem, was kommt." Der Tor lächelt noch immer. "Dann nimm mich", sagt er. "Ich habe keine Furcht. Meine Frau und die Kinder werden weinen?—Das ist traurig, und doch leben sie weiter. Die Erde gibt Brot, die Sonne gibt Wärme; so sei es auch nach mir."
Der Tod spricht von einsamen Wegen und dunklen Räumen, die jenseits der menschlichen Vorstellung liegen. Er malt Bilder von starrer Kälte und unendlich stillem Dasein. Aber der Tor erschrickt nicht. "Wenn du mir nimmst, was ich habe, so ist es gut", sagt er. "Wenn du mir die Augen schließt, so schließe ich sie; wenn du meine Hände lösest, so lege ich sie nieder. Ich habe nichts, was ich dir entgegenzusetzen hätte außer meinem Frieden."
Zwischen ihnen entsteht eine seltsame Nähe, als seien sie altes Paar. Der Tod legt eine Hand schwer auf den Korb des Tors; die Brote klopfen leise gegeneinander. "Du bist leicht zu nehmen", murmelt der Tod ohne Bitterkeit. "Du sagst nicht: Warum? Du willst nicht mehr wissen. Dein Herz ist wie ein offenes Feld, du hast keine Furcht vor dem Unbekannten. Ist das Glück, oder ist es Torheit?"
Der Tor schaut ihn an, und in seinem Blick liegt eine tiefe, aber einfache Gewißheit. "Ich weiß alles, was mir gehörte; ich kenne den Geschmack meines Brotes, und ich kenne die Wärme meiner Frau. Was darüber ist, gehört dir und der Welt, die du regierst. Ich will nicht klagen noch begehren." Seine Sprache ist schlicht, aber in ihr klingt die Würde eines Lebens, das seine Grenzen angenommen hat. "Wenn du gehst", fügt er hinzu, "schenke den meinen guten Mut."
Der Tod erhebt sich und neigt das Haupt. Es ist, als ob er dies zum ersten Male begreift: daß es Menschen gibt, die nicht betteln noch hassen, sondern nur annehmen. Er streckt die Hand aus, und der Tor legt sie in die kalte Hand. Die Sonne fällt warm auf beide; ein leichter Wind geht über das Feld. Ohne Zorn, ohne Triumph schließt der Tod die Finger; eine friedliche Stille folgt. Dann hebt der Tod den Blick, und die Vögel ziehen weiter, als sei nichts geschehen.