Faust. Der Tragödie erster Teil — Szene: Auerbachs Keller in Leipzig

Johann Wolfgang von Goethe

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Vom Weinkeller waren's hübsche Stufen, hinab zur Gärtnerswohnung; Vorüber an der Restauration, wo wohl hier und dort ein Glas noch klirrte, ging Faust und Mephistopheles. Unten in dem engen Raume saß man in reichem Schein, Die Lampe flammte schön am Tische, und ringsumher war Wein und Speis'.

Die Studenten saßen um den Tisch, und wohin man blickte, lachte Es, bis die Burschen jauchzend sprangen; nur einer blieb gehemmt, der alte Rittmeister, Vor dem Finsternisgebot sich schützend, orakelt in Ruh'.

»Heil dir!« rief einer, »Faust, du guter Mann! Komm näher, setz' dich nieder! Trink mit uns und vergiß den Kummer; Hier ist Wein, der Kehle Lust und allen Mut verleiht.«

Faust winkte kaum, und Mephisto trat vor, mit listigem Gesicht, Wohlthätig ihm die Hand reichend; und durch des Bieres Dämpfe ward Ein Hauch von Scherz und Neckerei verbreitet, als wollte man die dunkle Stimmung lichten.

Man trug ihm einen Krug, man füllte ihm die Tassen, und kühn ward angestoßen; Die Kelche klangen, Stimmen jubelten, und bald erscholl ein trunken Lied, So rau und schalkhaft, daß den ernsten Mann es an die Stirne rief und fragend sah er hin.

Der Wirt, ein alter dicker Mann, der froh am Tor des Kellers stand, Verwundert die Gesellschaft musterte und seinen Becher hob, Und während er die Gläser füllte, sprach er: »Heut' wird hier nicht gespart; Trinkt wohl, ihr Herren! lebt und lacht! Es ist ein Tag zum frohen Mut.«

Die Lieder flogen wie die Funken; man hörte Eulenspiegel schon, Der Schlag der Laute, Humpenklang und junger Stimmen frohe Schaar; Die Stimmung schwoll, die Rede wurde toll, und mancher Scherz war hart, Doch niemand merkte Bosheit jetzt, nur lust'ger Übermut regiert'.

Mephisto lächelte still vor sich und flüsterte dem Faust: »Sieh, Sieh, Die Menschen suchen Frohsinn, trinken, spotten, sind betrübt, Und glauben durch den Trunk zu jagen ihre Sorge fort; Doch ist es nur die Gärung, die im Blut die Sinne trübt.«

Faust aber stand gepeinigt da, als wer die törichte Freud' betrachtet, Die kurz die Stirn des Weinen stürzt und bald die Reu' hervorruft; Er schüttelte den Kopf und wandte sich, dem Fenster zu, dem kalten Licht; Draußen war Herbst, und über allem lag die Welt in kühler Ruh'.

Die lust'ge Schar begann zu prahlen, man zeigte seine Kunststücke, Man schwenkte Schwerter, sang von Liebe, und man erzählte Närrisch' Spiel; Der Keller bebte, und die Wände hallten wieder jenes Lachen, Das wie ein Trugbild voller Glanz nur flüchtig uns beglückt.