Faust. Der Tragödie erster Teil — Szene: Gretchen am Spinnrade

Johann Wolfgang von Goethe

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Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer und nimmermehr. Wo ich ihn nicht hab', Die Welt ist mir wie ein totges Haus, Und in mir schläft die selige Lust, Die ich nicht kenne, die ich vermiss'.

Dich hab' ich getan, Freund, dein Bild zu schauen, Als du zuletzt von meiner Schwelle gingst; Ich hör' dich noch in meinem Herzen schlagen, Die Stube ist mir leer, der Tisch ist kahl. Ach! all' die Dinge, die ich sprach und tat, Sie kommen mir wie in Träumen vor.

Die Worte, die du sagtest, und die Blicke, Die du mir schenktest, gehen nicht von mir; Ich kann sie nicht verbannen, nicht verwinden, Sie sind wie Flammen tief in meinem Herz. Meiner Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer; Ich finde sie nimmer und nimmermehr.

Der Abendhimmel glänzt so wundersam, Ich sitze still und denke nur an dich; Die Spindel dreht, das Rad geht leis' und sacht, Und immer kommt mir deiner ganzer Sinn. Ach, könnt' ich nur in deinem Blicke lesen, Wie es in deinem Herzen steht bei mir!

Es ist so klein, so öd' und karg das Haus, Die Fenster matt, die Fluren dunkel auch; Und dennoch bringt mir jeder Gegenstand Dein Bild zurück, als wärst du selbst noch hier. Mein Herz, das bittet und das sehnt und fleht, Weiß keinen Rat, weiß keinen Trost noch Ruh.

Mein kleiner Sohn, der Engel, weiß es wohl, Wie treu mein Sinn dir hängt und wie Gewaltig Die Sehnsucht ist, die mich erfüllt bei Nacht; Doch kann ich niemand klagen meinen Schmerz, Ich muß ihn still verschweigen und verschweigen In meiner Brust die brennende Begier'.

Wenn ich des Nachts allein im Bette lieg', So denk' ich deiner, und es wird mir bang; Ich fühl' ein Sehnen, wie nach himmlischer Lust, Und alle Welt erscheint mir öd' und leer. Du mußt mir sagen, Sag' es laut und offen: Bist du mein eigen, oder war's ein Traum?