Duineser Elegien. Erste Elegie

Rainer Maria Rilke

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Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? und gesetzt selbst

es nähme einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,

und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu vernichten. Jeder Engel ist schrecklich.

So trug ich denn zurück in die Nähe des Todes mein unstillbares Leben, und die Nächte

waren zu kurz, um die Sehnsucht zu bergen, die nach einem anderen höheren, verloren war.

O Neigung, du, meine Schrecken, lass mich nicht länger an den Menschen hangen! Warum sollte ich

mich in ihren Stuben, diesen so mitleidigen Lagerräumen, hinlegen? Ich höre sie reden und erschrecke:

denn sie bringen ihren Arm hervor wie einen Haushalt, der alles ordnet. Aber sie haben keinen Namen

für das, was sie bergen, und wenn sie mich fragen, so antworte ich nicht; ich fürchte, ich könnte sie entbehren.

Es ist, als stiegen sie in ihre Namen wie in leichte Schiffe, um wegzufahren, und ließen mich am Ufer

mit meinem Namen stehen, der spät und unbehaust zu mir zurückkommt. Immerhin würde ich, wenn ich könnte,

sie weise machen an einem geläuterten Glück; denn sie tragen das Angesicht des Bewahrenden; und oft

bleiben sie bei mir in der Nacht, und dann erzähle ich ihnen von meinem Verlangen, das nichts mehr wissen will von einem,

der nicht doppelt ist: denn ich habe gesehen, wie sie sich mit den Händen die Gesichter halten, aber in denen

ist es nur, als hielten sie einen Spiegel, und das Spiegelbild ist schon ein anderes, nicht ihr eigen Herz.

Wer aber gar von ihnen gefragt würde: Was hältst du von uns? so antworteten wir mit unseren leeren Händen,

mit unseren Händen, die wir als Schalen tragen, mit denen wir schöpfen und doch nie zu fassen bekamen.

Und sie sind wunderlich höflich dem Menschen gegenüber; denn sie wissen, daß er zu den Unbegreiflichen gehört.