Also sprach Zarathustra. Von den drei Verwandlungen

Friedrich Nietzsche

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Drei Verwandlungen des Geistes habe ich euch Meine guten Freunde gezeigt: wie der Geist zum Kameel, der Kameel zum Löwen, und der Löwe zum Kind wird.

Man muß die Last lieben, die man trägt, und man muß an seinem eigenen Wege mehr Freude haben als an dem Ziele; denn die Freude am Ziele ist nur die Ruhe eines Camels, das sich das Recht erworben hat, seinen Nacken wieder zu beugen.

Der erste Schritt ist, daß der Geist zum Kameel werde. Warum will der Geist zum Kameel werden? Weil er erst tragen will. Was ist tragen? Last lieben.

Was ist die Last, die man tragen soll? Alles das, was man bisher von Wert geglaubt hat — und es gibt keinen edleren Dienst als die Demut, demwert Gekannten zu dienen. Es ist noch ein weiteres Gebot: Du sollst nicht sagen: ‚Das war einmal!‘ — denn nur wer etwas versammelt und aufnimmt, ist dankbar.

Aber wenn das Tragen zu schwer wird, und die Pflicht, zu gehorschen, zu groß, so muß ein neuer Zustand folgen: Der Kameel verleiht seinem Muthe Flügel und verwandelt sich in den Löwen.

Warum der Löwe? Weil er frei machen will. Der Löwe nennt neue Werte mit ‚Nein!‘ Denn er herrscht über das Heilige, über alte Gebote und über die Tyrannei des Sollens; er schafft Raum, um neu zu schaffen.

Die größte Tat des Löwen ist das Wort ‚Ich will!‘ Denn mit diesem Worte bricht er das Joch des ‚Man soll‘ und ‚Man müsse‘, welches die Menschen bisher niedergehalten hat. Er ist der Kämpfer gegen die fremden Herren auf dem Inneren.

Aber auch der Löwe ist nicht das letzte Ziel: er hat die Freiheit gewonnen, aber nicht noch die Unschuld und das Schaffen. Deshalb muß der Löwe wieder verwandelt werden in ein Kind.

Warum ein Kind? Weil das Kind ein Ja-sagendes Wesen ist, neu beginnt, spielt und erschafft. Das Kind ist Unschuld und Wiederbeginn, ein Heiliges Spiel, das die Welt in ein neues Wort taucht.

So vollendet sich die Verwandlung: der Geist lernt zuerst tragen, dann kämpfen, zuletzt schaffen. Und wer anders zu sein wünscht als ein Spielender, hat den Sinn des Lebens verfehlt.