Knecht: Ja, das ist gut! Das ist gar zu gut! Er kommt! er kommt! schnarrt schon wieder in den Wänden; er hat den Schlüssel mit, und die Töpfe tanzen. Mephistopheles: Gut, ihr Launen, seid willkommen! Laßt uns lustig sein! — Es ist gut; wir wollen uns gründlich brüdern. — Er mag kommen oder bleiben; er ist ein guter Geselle, wenn er auch manchmal so seltsam spricht.
Erster Student: Ei! Was giebt's? Wohl ein neuer Scherz? Zweiter Student: Euch sey dank! Er hat uns heut' einiges in die Hände gespielt. Erstgesell: Ei, seht nur, seht! Zum Schenken! Zum Schenken! — Wie hell es hier wird! — Nun setzt euch, Freund, und trinkt! — Das ist ein guter Saal; ich hab' in ihm schon manch ein Faß geleert.
Dr. Faust (allein, in Gedanken): Wie anders ist mir's, als ich's gewöhnt! Ein Meer von Menschen, und ihnen widmet sich die Freude, und ich sitz' in der Ecke, und die Kehle bleibt mir trocken. Was hilft der Lärm der Lust? Was hilft der Trank dem, der nach Gedanken dürstet? Die Welt ist voll von Lust und Leben, und dennoch bin ich leer.
Bürger: He! Was für ein bleicher Herr ist das? Knecht: Das ist ein Gelehrter, einer, der die Köpfe füllt mit Worten; er versteht nicht, wie man froh wird. Student: Ei, laßt ihn doch! Vielleicht hat er Geld; wenn nicht, so hat er wenigstens Verstand. Einer von uns: So gebt ihm ein Glas, er sieht aus, als möchte er's annehmen.
Mephistopheles (zu Faust, verstellte Stimme): Hier, guter Herr, trinkt mit uns! Nimm dies Glas, und du wirst lachen. Faust: Mag sein; doch kann der Trank die Last der Seele nicht heben. Mephistopheles: Ei, das ist Philosophie; doch säuft man nicht Philosophie, sondern Wein. Komm, trink! Faust: Ich will's versuchen, wenn's sein muß.
Die Burschen singen und tanzen; die Kellner laufen mit Krügen; es wird laut und ausgelassen. Student: Noch einen Becher auf unsern neuen Freund! Auf die Gesundheit! Ein ander: Und auf die Wissenschaft! Auf Liebe und Metze! — Der Tisch wankt, die Gläser klingen; man lacht, man scherzt, und der Saal ist voll von Leben.
Faust (nach dem Trunk, halb lächelnd): So denk' ich, ist es leicht, der Lust zu folgen; doch bleibt im Innern jener Nag, der drückt. Mephistopheles: Kennst du nicht die Kunst, die Welt zu meiden? Komm, lerne dich treiben; wir wollen dich belehren. Faust: Belehren? Du bist ein guter Lehrer, wenn's zum Spaß gehört; doch weisen darfst du mich nicht auf den Weg.
Die Gesellschaft verlacht einen Witz; ein Trinkender macht einen Streich; die Kellner füllen nach. Student: Noch! Noch! Der Abend soll nicht enden. Ein Mädchen tanzt herein, die Burschen umringen sie, und die Musik schwillt an. Es wird gesungen von Liebe, von Wein und von leichtem Leben.
Faust (steht auf, verwirrt): Nein! Mir ist's, als säh' ich mehr als nur dies flackernde Licht. Mephistopheles (leise): Schau dich um! Das Leben ist kurz; dein Herz schlägt nur einmal; laß uns's auskosten. Faust: Du spielst mit Worten. Doch was sich regt in mir, ist nicht zum Spielen da.
Die Nacht vergeht im Gelächter, und endlich lichten sich die Reihen. Die Burschen schwanken heimwärts; die Mädchen kichern; der Wirt beendet die Rechnung. Mephistopheles (zu Faust): Siehst du, wie leicht die Menschen sich fesseln lassen an Trunk und Spiel? Faust: Ich sehe es; und doch bleibt mein Geist unsatt. Mephistopheles: Das ist gut; denn wo Unzufriedenheit ist, da ist Raum für Wandel.