Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr getan, ihn zu überwinden?
Alle Wesen bisher schufen etwas über sich hinaus: und ihr wollt das „Neue“ sein, das über alle Wesen hinaus schaffe? Was ist ihr Ende, ihr höchsten Tiere, die ihr die Erde überfrachtet habt? Ich will euch, ihr Menschen, lehren, was die drei Verwandlungen des Geistes sind.
Der Geist soll so werden: erst Lasttier, dann Raubtier, zuletzt Kind. Ich will euch den Sinn dieser drei Verwandlungen erklären.
Wie macht sich der Geist zum Lasttier? Er nimmt auf sich, was ihm schwer ist; er läßt sich beladen, bis seine Stärke ihr Maß findet. Er lebt in Demut und verschlingt es, was schwer ist, und ruht in der Standhaftigkeit.
Dann wird der Geist zum Löwen: er muß sich freikämpfen von dem, was gegeben und vorgegeben ist. „Du sollst“ heißt die Tyrannei jener, und der Löwe sagt: „Ich will.“ Er schafft Raum für sich selbst, bejaht das Eigenrecht und vernichtet den fremden Anspruch.
Am Ende aber wird der Geist zum Kinde, zum unschuldigen, neugeborgenen Kinde, das wieder ein Spiel, ein Anfang, ein Ja-sagen will. Das Kind ist die Freiheit des Neuen, die Gabe des Schöpfens, das reine Spiel des Willens.
So ist der Weg: erst erträgt man das Sein als Last, dann kämpft man sich frei von ihm, und zuletzt beginnt man neu als Schöpfer. Dies ist die Lehre von den drei Verwandlungen des Geistes.