Ein Zimmer in einem Schloß bei Fotheringhay. Cromwell und Paulet.
Cromwell (an Paulet). Ist dies das Haus? Paulet. Ja, Herr. Cromwell. Nun tritt hinein und sieh dich um; versteck dein Auge nicht in jener dürren Höhlung, wo nur die Rüstung glänzt und manches trostlos angestarrt. Es ist ein schweres Amt, das uns zuteil ward; doch folge mir mit stolzem Mut, und wenn das Blut in deiner Wange weicht, so denke: es gilt das Land, nicht die Person.
Paulet. Herr, ich bin bereit. Cromwell. Du weißt, wie hart die Pflicht; du weißt, wie manches Herz sich an Duldung übt, das einst im Neid und voller Glut zu Brand und Sturm emporgelotst. Wir sind die Säulen einer Ordnung, die man uns verlieh; vergiß nicht, daß das Maß der Gerechtigkeit nicht im Blick der Einzelnen liegt, sondern im Frieden vieler.
Paulet. Ich will gehorchen; ja, Herr, ich hab' geschworen: die Sicherheit des Reichs soll sich auf meinem Eid erheben wie ein Fels, den Sturmwind bricht nicht.
Cromwell. Gut. Hier wohnt die Königin von Schottland; nicht länger als Anspruch, den ein Auge hascht, lebt sie als Schatten in des Landes Brust. Elisabeth selbst, von Furcht und Zweifeln gequält, hat uns den Befehl gegeben, daß diese Gefangene in Fotheringhay verbleibe. Du wirst sehen, wie still sie fortlebt; und doch, bedenke, es liegt in ihrem Blick die ruhige Größe, die Unruhe stört.
Paulet. Wie soll ich sie behandeln? Mit Strenge? Mit Milde? Cromwell. Sei streng, wenn es nötig; doch vor allem fest. Erinn're dich: Mitleid mag den Menschen überwinden, kann aber das Reich verderben. Handle wie einer, der nicht sich selbst gehorcht, sondern dem Gesetz. Bewahre die Ordnung und laß dich nicht verführen von Tränen und Klagen.
Paulet. Es hat in mir gerungen, Herr; denn wenn so eine Fürstin vor uns steht, da schwindet jede Schande des Befehls. Doch sei versichert: ich will nach deinem Rath handeln und mich nicht durch Wehmut leiten lassen.
Cromwell. Gut. Nun tritt zurück; die Stunde naht, da wir vor ihr erscheinen. Sei aufmerksam: Worte können schärfer greifen als Schwerter. Achte auf Zeichen, die den Hof verraten; und wenn Gefahr naht, so rufe laut. Frieden dem Königreiche, und möge unser Tun gerecht sein.