Es handelt sich hier nicht um eine Abhandlung, welche die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die sogenannte kapitalistische Produktion, erklärt; sie will vielmehr die ökonomischen Gesetze aufdecken, nach denen diese Produktion wirkt. Alle politische Ökonomie hat in der einen oder andern Form ihre Annahmen vorausgesetzt, die hier in Frage gestellt werden.
Die Methode, die ich anwende, ist die kritische Analyse der Begriffe und Kategorien, wie sie sich in der bestehenden ökonomischen Wissenschaft darstellen; ich verfolge die Begriffe bis zu ihren materiellen Wurzeln und suche die ökonomischen Verhältnisse in ihren historischen Bedingungen zu zeigen.
Der Leser, der sich auf eine systematische Darstellung oder eine vollständige Geschichte der ökonomischen Gedanken einstellt, wird hier manche Lücken finden. Das Werk ist das Ergebnis langer Untersuchungen; auf vielen Punkten ist es nur ein Anfang. Die Darstellung folgt der logischen Entfaltung der Kategorien, nicht der historischen Reihenfolge ihres Entstehens.
Meine Absicht war, die kapitalistische Produktion als ein gesellschaftliches Verhältnis zu erklären, nicht als eine Ansammlung einzelner Erscheinungen. Daher erscheint der Produktionsprozess des Kapitals zunächst in abstrakten Kategorien, welche später in ihre konkreten Formen zurückgeführt werden.
Bei der Darstellung habe ich mich nicht auf die allgemein bekannten Erscheinungen beschränkt, sondern auf die wirtschaftlichen Gesetze, die sich hinter diesen Erscheinungen verbergen. Diese Gesetze wirken unabhängig von dem Bewußtsein der Beteiligten, und oft entgegen ihren Absichten.
Die Ergebnisse meiner Untersuchungen stützen sich sowohl auf die klassischen ökonomischen Schriften als auch auf die damals neuesten Beobachtungen und statistischen Materialien. Wo ich von früheren Schriftstellern übernommen habe, habe ich dies deutlich gemacht; aber ich habe die Begriffe oft in einer Weise umgebildet, welche sie von ihrem bisherigen dogmatischen Verband löste.
Das Werk richtet sich nicht an die Politiker, die nach praktischen Vorschlägen suchen, sondern an die Kritiker, die das ökonomische System in seinen grundlegenden Kategorien erfassen wollen. Dennoch können die Erkenntnisse für die praktische Politik von Bedeutung sein, insofern sie die wahren Wurzeln der gesellschaftlichen Widersprüche offenlegen.
Ich hoffe, daß diese erste Ausgabe den Stoff in genügender Form darbietet, um weitere Untersuchungen und Ergänzungen zu stimulieren. Es ist zu erwarten, daß spätere Forschungen viele Details berichtigen oder erweitern werden; die Grundlinien der Analyse sollten jedoch Bestand haben.
Wenn ich behauptete, die kapitalistische Produktion lasse sich nicht aus den einzelnen Erscheinungen erklären, so ist dies kein Zweifel an der Bedeutung der empirischen Forschung, sondern eine Mahnung, die Begriffe und Kategorien nicht ohne Rücksicht auf ihre historischen Grundlagen zu gebrauchen. Die Kritik der politischen Ökonomie ist daher zugleich eine historische Aufgabe.